Der Stoff, aus dem rauchige Whisky-Träume sind: Was ist eigentlich Torf?

Früher oder später hat ihn jeder Whiskytrinker einmal im Glas, diesen Dram, der ein ganz deutliches herzhaftes Aroma von sich gibt: Torf. Die Meinungen darüber, wie rauchig ein Single Malt schmecken sollte, sind zahlreich und die Urteile über die extremen Torfbomben reichen von „dann lieber einen Aschenbecher auslecken“ bis zu „da hast du die Natur in voller Pracht im Glas“. Doch natürlich gibt es auch Whisky, dem eine leichte Torfnote nur einen zusätzlichen Charakterzug verleiht und die vielleicht nur gerade zu ahnen ist. Das Hilfsmittel, mit dem dieses Aroma erreicht wird, ist immer das gleiche: Torf.

Befürworter biologischer Produkte hätten ihre wahre Freude am Torf, denn er ist ein Naturprodukt erster Güte. Es handelt sich dabei um das Verrottungsprodukt von Heidekraut, Gräsern, Binsen und Moss, das pro Jahr je nach klimatischen Verhältnissen nur zwischen einem und zehn Millimetern nachwächst. Je niedriger der PH-Wert ist, je größer die Wassersättigung, desto langsamer zersetzen sich die Pflanzenteile. Oben auf bildet sich jeweils eine neue, frische Pflanzennabe und je weiter man nach unten ins Erreich schaut, umso dunkler und dichter wird der Torf und umso weniger sichtbare Wurzel- und Pflanzenstrukturen sind enthalten.

Der Torf wird gewonnen, indem senkrechte Solen herausgestochen werden. Traditionell geschieht das natürlich in Handarbeit mit einem besonderen „Spaten“, so haben das schon seit Generationen gemacht, um damit Brennmaterial für ihre Herdfeuer zu beschaffen. Aber mittlerweile erfolgt der Abbau für größere Mengen natürlich auch schon maschinell.Anschließend werden die Torfstücke getrocknet, bevor sie in den Mälzereien und einigen Brennereien, die ihr Malt noch selbst herstellen, verwendet werden können. Sie werden dem Feuer beigegeben, das unter der Darre gemacht wird, auf der das angekeimte Getreide getrocknet wird. Das Malt nimmt dabei die rauchigen Aromen auf. Wie stark nach Torf ein Whisky später schmeckt, hängt von der Menge des Torfs ab, das hierbei verwendet wird und wird in Parts per Million (ppm) ausgedrückt. Leicht getorfte Whiskys liegen bei 5-10 ppm, Ardbeg bei etwa 40 ppm und der neueste Octomore 4.2 Comus von Bruichladdich bei sagenhaften 167 ppm.

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2 Antworten auf Der Stoff, aus dem rauchige Whisky-Träume sind: Was ist eigentlich Torf?

  1. kallaskander sagt:

    Hi there,

    die ppm, auf den Stoff Phenol bezogen, gelten vor der Destillation für das Malz.
    Einige malts wie Oban oder Cragganmore geben für ihr Malz 2-4ppm an, Glenmorangie 8ppm und 40ppm haben Lagavulin, Port Charlotte, Laphroaig aber auch Talisker und Caol Ila.
    Ardbeg liegt normalerweise bei 50-55ppm und Octomore mit dem bisher höchsten Wert bei 167ppm für den Comus z.B. Das ist aber nicht das Ende der Fahnenstange.

    Die Wahrnehmungsschwelle unserer Sinne liegt bei 2ppm Phenol um etwas als „torfig“ zu erkennen.
    Ob es aber Sinn macht, nach immer höheren Werten zu jagen, ist zweifelhaft. Ab einer gewissen ppm Grenze nach oben, sagen unsere Sinne nur noch sehr torfig… aber ob ein Octomore grundsätzlich torfiger erscheint als ein Ardbeg ist fraglich.

    Greetings
    kallaskander

    • Petra Milde sagt:

      Hallo,
      vielen Dank für deinen Beitrag und die Infos.
      Warum ich da oben Ardbeg mit 40 angegeben habe, ist mir grad auch schleierhaft – natürlich hast du recht!
      Über Sinn und Unsinn bei einigen Whiskyspielereien denken wir am besten gar nicht nach – wenn sich genug finden, die begeistert sind von dem Produkt und dafür viel Geld ausgeben, hat es seinen (kommerziellen) Zweck ja zunächst einmal erfüllt. Ich habe den neuen Octomore probiert. Er ist durchaus gelungen und bietet mehr als nur „Torf zum Totschlagen“, aber ehrlich gesagt habe ich vergeblich nach den einzigartigen und überwältigenden Aromen gesucht, von denen einige ganz verzückt berichten. Vielleicht hatte ich einen schlechten Tag…

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